Größer, besser, hbbk!
Über 40 Veranstaltungen für 2026 geplant
Das Humanistische Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz (hbbk) der gbs Bodensee entstand in seinen Grundzügen bereits vor ein paar Jahren. 2025 kam es dann mit Hilfe städtischer Förderung zur Umsetzung, mit ersten Veranstaltungen in den neuen Räumen. Dieses Jahr steht es bereits auf eigenen Beinen und kommt aus der Winterpause mit einer Angebotsdichte, die in der Vereinsgeschichte der gbs Bodensee einmalig ist.
Vor fast genau einem Jahr gab der Gemeinderat der Stadt Konstanz der Regionalgruppe der Giordano-Bruno-Stiftung (gbs) am Bodensee grünes Licht. Das neue Humanistische Bildungs- und Begegnungszentrum Konstanz (hbbk) wurde mit knapp 15.000 Euro gefördert und konnte 2025 in die Tat umgesetzt werden. Nach der Eröffnung des hbbk im April 2025 wurden insgesamt elf Veranstaltungen in den Vereinsräumen durchgeführt. Daneben lag der Arbeitsfokus auf Networking, Marketing und der Durchführung individueller Beratungsangebote für weltanschaulich Geschädigte. Doch die meiste Arbeit floss wohl in die Finanzstrategie für die kommenden Jahre, denn die Fördersumme der Stadt Konstanz war lediglich auf 2025 beschränkt. Die Gefahr, die neuen Räume nicht halten zu können und gleich wieder zu verlieren, war also stets präsent. Doch letztlich wurde ein Weg gefunden, das hbbk auf ein stabiles Fundament zu stellen, sodass das Fortbestehen zumindest für 2026 gesichert ist.
Die gbs Bodensee startet im noch jungen Jahr mit einem fulminanten Programm durch, das in der Vereinsgeschichte einmalig ist. Stand Dezember 2025 waren es bereits über 40 verschiedene Veranstaltungen – und einige weitere werden im Laufe der Monate noch hinzukommen. Für die Vorträge konnte das hbbk-Team ein diverses, plurales sowie hochkarätiges Line-up gewinnen.
Vortragsprogramm
Im Januar begrüßt die gbs Bodensee Ulla Bonnekoh, Präsidiumsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), in Konstanz. In ihrem Vortrag wird sie auf das Recht auf selbstbestimmtes Sterben eingehen und anhand von Theorie und Praxis Einblicke in die Arbeit der DGHS geben. Zudem legt sie einen besonderen Fokus auf umstrittene Themen wie die Freitodbegleitung von Personen mit psychischen Störungen oder Demenz. In einer Kooperationsveranstaltung mit dem Bündnis Konstanz für Demokratie spricht der Psychologe und Vorsitzende der gbs Bodensee, Alexander Wolber, Ende Januar über den Zusammenhang von psychischen Störungen und Verschwörungsdenken. Dabei zeigt er auf, warum Empathie mit Vertretern pseudowissenschaftlicher Annahmen manchmal hilfreicher sein kann als Faktenspam.
Im Februar erklärt Prof. Frank Best von der Hochschule Konstanz, warum manche Menschen wissenschaftliche Erkenntnisse ablehnen und wie man mit Klimawandelskeptikern – auch in der eigenen Familie – konstruktiv umgehen kann. Anschließend spricht erneut Alexander Wolber, dieses Mal jedoch über die Verschwörungstheorie "Rituelle Gewalt / Mind Control" und nimmt die Zuhörer mit auf eine düstere Reise in die Abgründe psychotherapeutischer Fehlbehandlungen und deren fatale Konsequenzen für Patientinnen und Patienten.
Im März wird es einen Vortrag von Bernd Fleißner geben, ehemaliger Pastor einer evangelikalen Gemeinde. Er wird die Welt der christlich-fundamentalistischen Evangelikalen zeigen und dabei einen Fokus auf deren Rekrutierungsstrategien und gesellschaftliche Einflussnahme legen. Angesichts der großen gesellschaftlichen Herausforderungen wie der Klimakatastrophe wagt Florian Chefai, wissenschaftlicher Koordinator des Hans-Albert-Instituts (HAI), einen Blick in die Zukunft – nicht mittels Glaskugel, sondern aus der Perspektive des Kritischen Rationalismus geht er der Frage nach einem realistischen Zukunftsmodell auf den Grund.
Im April weist Nicolai Sprekels, Vorstandssprecher von SARAM – Stiftung für Menschenrechte in Nordkorea, auf eine Tatsache hin, die medial kaum Beachtung findet: Nordkorea kämpft erstmals gemeinsam mit Russland auf europäischem Boden. Ende April wird es dann philosophisch. Michael Roser, Physiker und Mitglied der gbs Bodensee, wird den Zuhörern die Kernideen des Kritischen Rationalismus näherbringen, indem er sich undogmatisch der Beschaffenheit der "Wahrheit" nähert.
Im Mai folgt ein Rückblick auf das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte: die NS-Zeit. Der Journalist und Autor Helmut Ortner, Mitglied von PEN Berlin, stellt sein neues Buch "Gnadenlos Deutsch – Täter, Helfer, Zuschauer und die Entsorgung der NS-Zeit" vor. Darin beschäftigt er sich mit "Hitlers Deutschen", der Unterstützung des "Eroberungs- und Zerstörungswahns der Nazis" und dem anschließenden Versuch, alles zu vergessen.
Im Juni dann die nächste Lesung von Nikil Mukerji (Mitglied des Wissenschaftsrats) und Stefanie Weig (Beisitzerin im Vorstand) von der Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften (GWUP): Sie stellen ihr neues Buch "Jenseits von Woke und Böse" vor und zeigen anhand eines eigenen Beispiels auf, mit welchen Methoden "Woke" versuchen, Andersdenkende zum Schweigen zu bringen. Ein weiterer Vortrag im selben Monat thematisiert die Frage: "Was ist säkularer Journalismus?" Ihr geht die Chefredakteurin des Humanistischen Pressedienstes (hpd) Gisa Bodenstein nach. Sie berichtet aus ihrem Redaktionsalltag und erklärt, warum der hpd in der heutigen Medienlandschaft eine so wichtige Rolle spielt. Zum Monatsende berichtet Gökhan (Nachname zum Schutz der Identität unerwähnt), Ex-Muslim und Mitglied der gbs Bodensee, darüber, warum er nicht mehr an Allah glaubt, was er am Islam kritisiert und wie er trotzdem seine Beziehungen zur muslimischen Familie und zu Freunden aufrechterhalten kann.
Die Offene Gesellschaft wird von Rechtsradikalismus und islamischem Fundamentalismus bedroht; beide Strömungen werden dabei häufig als gegensätzlich wahrgenommen. Der Philosoph Sebastian Schnelle wird im Juli allerdings ganz anders argumentieren: Denn "bei genauer Betrachtung erweisen sich beide als einander sehr ähnliche reaktionäre Antworten auf die Herausforderungen der Moderne".
Nach der Sommerpause im August begrüßt das hbbk im September Till Randolf Amelung, Journalist und Geschlechterforscher. Er wird einen Einblick in die "gesellschaftliche Debatte über Geschlechterfragen" geben und skizzieren, warum es bei diesem Thema immer wieder zu öffentlich ausgetragenen Konflikten kommt.
Im Oktober kommt von Sarah Pohl, Erziehungswissenschaftlerin und Leiterin der Zentralen Beratungsstelle für Weltanschauungsfragen in Baden-Württemberg (ZEBRA-BW), ein Vortrag über die schwierige Situation von Kindern und Jugendlichen, die in radikale Gruppierungen – sogenannte "weltanschauliche Filterblasen" – hineingewachsen sind. Anschließend beschäftigt sich Isabell Schulz, Sozialpädagogin und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin i. A., kritisch mit der Waldorfpädagogik und zeigt auf, warum Esoterik keine gute Alternative zu konventionellen Kindergärten und Regelschulen darstellt.
Für den November ist die Juristin Jessica Hamed, stellvertretende Direktorin des Instituts für Weltanschauungsrecht (ifw), nach Konstanz eingeladen. Mit Bezug zum Terroranschlag auf Charlie Hebdo wird sie einen rechtlichen Überblick zum sogenannten Gotteslästerungsparagrafen geben und begründen, inwiefern dieser vor allem dem Politischen Islam dient.
Die diesjährige Vortragsreihe schließt im Dezember mit Jürgen Röder, Wikipedia-Autor und Mitglied der gbs Bodensee. Inhaltlich widmet er seine Aufmerksamkeit der verzerrten Darstellung und Wahrnehmung von Kriminalitätsraten in der Öffentlichkeit.
Angebote für Beratung, für Kinder und zur Vernetzung
Neben den Vortragsveranstaltungen fügen sich 2026 weitere Angebote dem hbbk-Portfolio hinzu. So wird einmal im Monat ein "Humanistisches Seniorencafé" etabliert, das als Alternative zu den meist kirchlichen Angeboten auch humanistische und skeptische Themenkomplexe beinhaltet. Neben dem geselligen Beisammensein werden Kurzvorträge, Aktivitäten, Musik, Diskussionsrunden und das Stöbern in der hbbk-Bibliothek angeboten. Die Bibliothek stammt aus den großzügigen Spenden der Bünde für Geistesfreiheit München und Bayern und aus dem Nachlass des verstorbenen Helmut M. Selzer, ehemaliges Mitglied im Stifterkreis der Giordano-Bruno-Stiftung und Stifter des hpd-Journalistenpreises.
In Kooperation mit dem Alibri-Verlag sind in diesem Jahr sieben Bilderbuchkinos für Eltern und deren Kinder geplant, die allesamt von Isabell Schulz durchgeführt werden. Adressiert werden unterschiedliche Themen, die von Religionskritik über Evolution bis hin zu lebensnahen Themen wie Freundschaft und Familie reichen.
Zu den gbs Bodensee-Stammtischen fanden immer wieder Sektenaussteiger ihren Weg. Sie klagten meist über unzureichende Hilfsstrukturen und massive Belastungen während des Ausstiegsprozesses. Manchmal seien die Hürden gar so groß, dass einige in ihren sektenartigen Strukturen verharren würden – aus Angst vor dem freien Fall. Aus diesem Grund bietet das hbbk 2026 das Projekt "REACH: Die Sektenaussteiger" an. Einmal pro Quartal wird es eine REACH-Infoveranstaltung geben, die über sektenartige Strukturen informiert, sozialen Austausch für Betroffene ermöglicht und tatkräftig, zum Beispiel mit der Organisation von Selbsthilfegruppen, unterstützt.
Ebenfalls einmal pro Quartal bietet die gbs Bodensee einen Abend der offenen Tür ("Open hbbk") an, an dem Interessierte die Räume besuchen, Fragen stellen und damit einen Blick hinter die Kulissen des hbbk werfen können.
Auch dieses Jahr wird es wieder individuelle Beratungsgespräche zu den Themen Weltanschauungen, Sekten, Esoterik, Verschwörungstheorien, Okkultismus, Sinnstiftung und Wertebildung geben. Zudem werden feste Öffnungszeiten angeboten, an denen das hbbk auch spontan besucht werden kann.
Im Juni wird zudem der "Tag der offenen Gesellschaft" gefeiert, bei dem es zahlreiche Angebote für Jung und Alt geben wird.
Trotz Finanzierung für 2026 arbeitet das hbbk weiterhin ehrenamtlich und ist auf tatkräftige praktische wie finanzielle Unterstützung angewiesen. Spenden sind steuerlich absetzbar. Das Konto der gbs Bodensee finden Sie hier.